Ratgeber · Grundlagen
Wie viel Haus Sie sich leisten können: die Rechnung hinter dem Rechner.
Jeder Budgetrechner nutzt dieselbe Formel. Wer sie kennt, braucht keine Tabelle.
Stand 19. Oktober 2026 · Lesezeit ca. 9 Min. · Enrico Li Fonti

Symbolbild, mit KI erstellt. Es zeigt keine realen Personen, Objekte oder Ereignisse.
Die ehrliche Antwort hat drei Teile: eine Formel, eine Prozentregel und die Haushaltsrechnung Ihrer Bank.
Wie viel Haus Sie sich leisten können, entscheidet sich in dieser Reihenfolge: Erst die tragbare Monatsrate, als Obergrenze gelten meist 35 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens. Dann die Übersetzung der Rate in eine Darlehenssumme, mit der Formel Jahresrate geteilt durch Sollzins plus Anfangstilgung, mal hundert. Dann Eigenkapital dazurechnen und die Kaufnebenkosten von rund zehn bis fünfzehn Prozent wieder abziehen. Was bleibt, ist der Kaufpreisrahmen. Wie viel Kredit Sie tatsächlich bekommen, legt am Ende aber nicht der Rechner fest, sondern die Haushaltsrechnung der Bank, und die fällt von Bank zu Bank unterschiedlich aus. Genau dort liegt der Spielraum, den ein Vergleich über viele Banken hebt.
Die Formel hinter jedem Budgetrechner
Ob Bank, Portal oder Vermittler: Jeder Budgetrechner übersetzt eine Monatsrate in eine Darlehenssumme, und alle nutzen dafür dieselbe Mathematik. Die maximale Darlehenssumme ist die Jahresrate, geteilt durch die Summe aus Sollzins und Anfangstilgung, mal hundert. Wer die Formel einmal verstanden hat, kann jedes Rechnerergebnis nachvollziehen und jede Werbetabelle prüfen. Als Faktor ausgedrückt:
| Sollzins + Anfangstilgung | Maximales Darlehen |
|---|---|
| 4,5 Prozent (zum Beispiel 2,5 Zins + 2,0 Tilgung) | etwa das 265-fache der Monatsrate |
| 5,5 Prozent (zum Beispiel 3,5 Zins + 2,0 Tilgung) | etwa das 220-fache der Monatsrate |
| 6,5 Prozent (zum Beispiel 4,5 Zins + 2,0 Tilgung) | etwa das 185-fache der Monatsrate |
Zwei Dinge zeigt die Tabelle sofort. Erstens: Der Zins ist nicht allein entscheidend, die Anfangstilgung wirkt genauso stark auf die mögliche Summe. Zweitens: Wer die Tilgung senkt, um mehr Darlehen zu bekommen, verlängert die Laufzeit erheblich und schiebt das Risiko in die Zeit nach der Zinsbindung. Exakt statt überschlägig rechnet unser Finanzierungsrechner.
Die 35-Prozent-Regel: was eine tragbare Rate ist
Die verbreitete Faustregel lautet: Die Kreditrate sollte 35 Prozent des monatlichen Nettohaushaltseinkommens nicht überschreiten. Manche Anbieter lassen bis 40 Prozent zu, der Durchschnitt tatsächlich abgeschlossener Finanzierungen liegt eher bei einem Viertel des Einkommens. Die Regel ist eine Konvention aus der Praxis, kein Gesetz, und sie ersetzt keine eigene Rechnung: Maßgeblich ist, was nach Abzug aller tatsächlichen Ausgaben übrig bleibt.
Drei Posten werden dabei regelmäßig unterschätzt. Bestehende Verpflichtungen wie Auto-Leasing oder Ratenkredite mindern die tragbare Rate in voller Höhe. Die Bewirtschaftung der eigenen Immobilie kommt zur Kreditrate hinzu, von Heizung und Strom bis zur Rücklage für Reparaturen, und liegt erfahrungsgemäß deutlich über den Nebenkosten einer Mietwohnung. Und die Rate muss nicht nur heute passen, sondern auch nach dem Ende der Zinsbindung, wenn die Anschlussfinanzierung zu dann gültigen Zinsen ansteht. Wer bei 35 Prozent nur mit dem heutigen Zins kalkuliert, rechnet sich das Haus schön.
Vom Einkommen zum Kaufpreis: die Rechnung in vier Schritten
Die häufigste Verwechslung bei der Budgetfrage: Darlehenssumme und Kaufpreis sind nicht dasselbe. Zwischen beiden liegen Eigenkapital und Kaufnebenkosten. Die Reihenfolge:
Schritt 1
Tragbare Monatsrate bestimmen
Haushaltsnettoeinkommen mal höchstens 35 Prozent, davon bestehende Kreditraten abziehen. Wer es konservativer mag, rechnet mit 30 Prozent und hält damit Puffer für Nebenkosten der Immobilie und Zinsänderungen vor.
Schritt 2
Rate in eine Darlehenssumme übersetzen
Jahresrate geteilt durch die Summe aus Sollzins und Anfangstilgung, mal hundert. Das ist die Formel, die in jedem Budgetrechner steckt. Je niedriger Zins plus Tilgung, desto größer das Darlehen bei gleicher Rate, und desto länger läuft es.
Schritt 3
Eigenkapital addieren
Darlehen plus verfügbares Eigenkapital ergibt die Summe, die für Kaufpreis und Nebenkosten zur Verfügung steht. Notgroschen von zwei bis drei Monatsgehältern bleibt außen vor.
Schritt 4
Kaufnebenkosten abziehen
Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und gegebenenfalls Maklerprovision kosten je nach Bundesland meist rund zehn bis fünfzehn Prozent des Kaufpreises. Erst was danach übrig bleibt, ist Ihr Kaufpreisrahmen.
Für die beiden Stellschrauben am Anfang und Ende dieser Rechnung gibt es eigene Beiträge: Wie viel Eigenkapital sinnvoll ist und warum mehr davon den Zins senkt, und welche Posten zu den Kaufnebenkosten zählen. In Hessen rechnet man wegen sechs Prozent Grunderwerbsteuer am oberen Rand der Spanne.
Warum Banken dieselbe Person verschieden rechnen
Der Budgetrechner sagt, was rechnerisch tragbar ist. Ob eine Bank das Darlehen vergibt, entscheidet ihre eigene Haushaltsrechnung. Dazu ist sie gesetzlich verpflichtet: Vor dem Abschluss eines Immobiliar-Verbraucherdarlehens muss die Bank Ihre Kreditwürdigkeit eingehend prüfen (§ 505a BGB). In dieser Prüfung stehen Ihrem nachweisbaren Einkommen Lebenshaltungspauschalen, Wohnkosten und alle laufenden Verpflichtungen gegenüber.
Entscheidend für Ihr Budget: Diese Rechnung ist nicht genormt. Aus unserer Vermittlungspraxis sind es vor allem drei Stellen, an denen sich die Banken unterscheiden. Die Höhe der Lebenshaltungspauschalen je Haushaltsgröße. Die Anrechnung schwankender Einkommensbestandteile, etwa Boni, Zuschläge, Provisionen oder Elterngeld, die eine Bank voll, die nächste anteilig und die dritte gar nicht ansetzt. Und der Umgang mit Selbstständigen, bei denen meist mehrere Jahresabschlüsse gemittelt werden. Dazu kommt die Sicherheitenseite: Die Bank finanziert nicht den Kaufpreis, sondern bewertet die Immobilie mit ihrem eigenen Beleihungswert, und der Abstand zwischen Darlehen und diesem Wert bestimmt den Zins mit.
Die Folge: Dieselbe Anfrage kann bei einer Bank scheitern und bei der nächsten zu guten Konditionen durchgehen. Das ist kein Grund, es der Reihe nach bei vielen Banken zu versuchen, denn unkoordinierte Kreditanfragen können den Schufa-Score belasten. Der bessere Weg ist eine Konditionsanfrage über einen Vermittler, der die Kriterien der Banken kennt und die Anfrage dort platziert, wo sie zum Profil passt. Was nach einer Absage zu tun ist, beschreibt der Beitrag Finanzierung abgelehnt.
Mehr Spielraum ohne mehr Risiko
Wenn der Kaufpreisrahmen nicht zum Markt passt, gibt es seriöse Hebel und riskante. Seriös sind: die Kaufnebenkosten senken, etwa durch den Kauf ohne Makler oder den getrennten Ausweis von Inventar. Das Eigenkapital gezielt erhöhen, auch durch Eigenleistung oder zinsgünstige Förderdarlehen, deren Verfügbarkeit und Bedingungen sich allerdings ändern können. Und die vollständige Vorbereitung der Unterlagen, denn eine saubere Anfrage wird besser gerechnet als eine lückenhafte.
Riskant ist das Gegenteil: die Tilgung auf das Minimum senken, um die Formel auszureizen, die Rate bis an die 40-Prozent-Grenze schieben oder den Notgroschen in den Kaufpreis stecken. All das vergrößert das Haus von heute und verkleinert die Sicherheit von morgen. Unsere ehrliche Einordnung: Wenn der Rahmen nur mit solchen Mitteln reicht, ist nicht die Rechnung das Problem, sondern der Kaufpreis.
Was Sie aus diesem Beitrag mitnehmen
- Die Rate trägt meist bis 35 Prozent des Nettohaushaltseinkommens, bestehende Kredite und die Bewirtschaftung der Immobilie eingerechnet.
- Maximales Darlehen = Jahresrate geteilt durch (Sollzins + Anfangstilgung) mal hundert. Bei zusammen fünfeinhalb Prozent etwa das 220-fache der Monatsrate.
- Kaufpreisrahmen = Darlehen plus Eigenkapital minus Kaufnebenkosten von rund zehn bis fünfzehn Prozent.
- Die Haushaltsrechnung der Bank ist nicht genormt: Pauschalen und Einkommens-Anrechnung unterscheiden sich, dieselbe Person bekommt verschieden viel Kredit.
- Mehr Spielraum entsteht über Nebenkosten, Eigenkapital und saubere Unterlagen, nicht über Minimal-Tilgung und ausgereizte Quoten.
ME Finance verspricht keine Zusagen und keine Konditionen. Wir rechnen mit Ihnen, was trägt, und platzieren Ihre Anfrage bei den Banken, deren Kriterien zu Ihrem Profil passen. Ihre Eckdaten nehmen wir über die unverbindliche Anfrage auf.
Häufige Fragen zum Immobilien-Budget
- Wie viel Haus kann ich mir bei meinem Nettoeinkommen leisten?
- Rechnen Sie in drei Schritten: Erstens die tragbare Monatsrate bestimmen, als Obergrenze gelten meist 35 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens, abzüglich bestehender Kreditraten. Zweitens die Rate in ein Darlehen übersetzen: Jahresrate geteilt durch die Summe aus Sollzins und Anfangstilgung, mal hundert. Bei zusammen fünfeinhalb Prozent entspricht das Darlehen etwa dem 220-fachen der Monatsrate. Drittens Eigenkapital addieren und die Kaufnebenkosten abziehen. Das Ergebnis ist Ihr Kaufpreisrahmen.
- Kann ich ein Haus ohne Eigenkapital finanzieren?
- Selten und nur zu spürbar schlechteren Konditionen. Die meisten Banken erwarten, dass mindestens die Kaufnebenkosten aus eigenen Mitteln bezahlt werden, also je nach Bundesland rund zehn bis fünfzehn Prozent des Kaufpreises. Je mehr Eigenkapital über diese Schwelle hinaus eingebracht wird, desto niedriger ist der Beleihungsauslauf und desto besser wird in der Regel der Zinssatz. Eine Finanzierung komplett ohne eigene Mittel prüfen Banken nur bei sehr stabilem Einkommen und werthaltiger Immobilie.
- Wie viel Kredit bekomme ich bei der Bank?
- Das entscheidet die Haushaltsrechnung der Bank, nicht der Budgetrechner. Die Bank ist gesetzlich verpflichtet, Ihre Kreditwürdigkeit eingehend zu prüfen, und setzt dafür Ihr nachweisbares Einkommen gegen Lebenshaltungspauschalen, Wohnkosten und bestehende Verpflichtungen. Diese Pauschalen und die Anrechnung von Boni, Zulagen oder Selbstständigen-Einkommen unterscheiden sich von Bank zu Bank. Dieselbe Person erhält deshalb unterschiedliche Höchstbeträge, je nachdem, wo sie anfragt.
- Gibt es eine Tabelle, wie viel Haus ich mir leisten kann?
- Jede solche Tabelle steht und fällt mit ihren Annahmen zu Zins, Tilgung, Eigenkapital und Nebenkosten. Nützlicher als fertige Tabellen ist der Faktor dahinter: Bei einer Annuität von zusammen rund fünfeinhalb Prozent entspricht die maximale Darlehenssumme etwa dem 220-fachen der tragbaren Monatsrate, bei höheren Zinsen weniger, bei niedrigeren mehr. Mit diesem Faktor lässt sich jede Tabelle nachrechnen und jede Veränderung der eigenen Rate sofort übersetzen.
- Wie viel Prozent vom Netto darf die Kreditrate ausmachen?
- Als Orientierung nennen Banken und Vermittler meist 25 bis 40 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens, als Obergrenze haben sich 35 Prozent etabliert. Das ist eine Konvention, kein Gesetz. Wichtig ist, dass neben der Kreditrate auch die Bewirtschaftung der Immobilie bezahlbar bleibt, also Heizung, Strom, Versicherungen und Rücklagen für Instandhaltung. Wer unsicher ist, rechnet mit der niedrigeren Quote und behält einen Puffer für Zinsänderungen nach der Zinsbindung.
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