Ratgeber · Kauf & Finanzierung
Mietkauf: eine Finanzierung ohne Bank, aber nicht ohne Kosten.
Wer zur Miete kauft, zahlt den Kredit trotzdem. Nur an den Verkäufer, und meist teurer.
Stand 7. Oktober 2026 · Lesezeit ca. 10 Min. · Enrico Li Fonti

Symbolbild, mit KI erstellt. Es zeigt keine realen Personen, Objekte oder Ereignisse.
Mietkauf klingt nach Eigentum ohne Eigenkapital. In Wahrheit ist es ein Kredit, den der Verkäufer gibt.
Beim Mietkauf wohnen Sie zunächst zur Miete in dem Haus oder der Wohnung, die Sie später kaufen. Ein Teil jeder Monatszahlung wird auf den Kaufpreis angerechnet, der Rest ist Miete. Nach einer vereinbarten Zeit zahlen Sie den offenen Restkaufpreis und werden Eigentümer. Weil der Vertrag zum Kauf eines Grundstücks verpflichtet, muss er nach § 311b BGB notariell beurkundet werden, und Ihr Anspruch gehört mit einer Auflassungsvormerkung ins Grundbuch. Wirtschaftlich ist der Mietkauf eine Finanzierung durch den Verkäufer. Er wartet auf sein Geld und lässt sich das über einen höheren Kaufpreis und den Mietanteil bezahlen. In unserem Rechenbeispiel ist bei gleicher Monatsbelastung nach zehn Jahren beim Mietkauf rund 70 Prozent des heutigen Werts offen, beim Bankdarlehen rund 63 Prozent.
So funktioniert der Mietkauf bei Haus und Wohnung
Beim Mietkauf einer Immobilie verbinden Käufer und Verkäufer zwei Verträge: einen über das Wohnen und einen über den Kauf. Jede Monatszahlung teilt sich in einen Mietanteil, der beim Verkäufer bleibt, und einen Anrechnungsanteil, der vom Kaufpreis abgezogen wird. Was nach Ende der Mietphase noch fehlt, ist der Restkaufpreis.
In der Praxis gibt es zwei Grundformen:
- Mietvertrag mit Ankaufsrecht. Sie mieten und erhalten das Recht, die Immobilie bis zu einem Stichtag zu einem festen Preis zu kaufen. Ob Sie kaufen, entscheiden Sie selbst. Der Verkäufer ist gebunden, Sie nicht.
- Kauf mit Ratenzahlung. Der Kaufvertrag wird sofort geschlossen, der Kaufpreis aber über Jahre in Raten bezahlt. Bis zur letzten Rate oder bis zur Zahlung des Restkaufpreises bleibt der Verkäufer Eigentümer. Diese Form ist für beide Seiten verbindlicher.
Häufig wird der Begriff auch für Maschinen und Fahrzeuge verwendet, etwa beim Mietkauf eines Autos. Dort gelten andere Regeln. In diesem Beitrag geht es nur um Häuser, Wohnungen und Grundstücke.
Ohne Notar ist ein Mietkauf nicht wirksam
Ein Mietkauf über eine Immobilie ist kein einfacher Mietvertrag, auch wenn er so beginnt. Nach § 311b Absatz 1 BGB bedarf ein Vertrag, durch den sich jemand verpflichtet, das Eigentum an einem Grundstück zu übertragen oder zu erwerben, der notariellen Beurkundung. Das gilt für den Kauf mit Ratenzahlung ebenso wie für ein Ankaufsrecht, an das der Verkäufer gebunden sein soll.
Fehlt die Beurkundung, ist die Kaufvereinbarung unwirksam. Geheilt wird sie erst, wenn die Grundbuchumschreibung tatsächlich erfolgt. Für einen Käufer, der über Jahre angerechnete Beträge zahlt, ist das ein erhebliches Risiko. Ein privat aufgesetzter Mietvertrag mit dem Satz „Der Mieter darf das Haus später kaufen“ trägt nicht, auch nicht zwischen Verwandten oder Bekannten.
Der Notar ist dabei mehr als eine Formsache. Er regelt Miete, Anrechnung, Restkaufpreis, Fristen, Instandhaltung und die Folgen eines Zahlungsausfalls in einem Vertrag und belehrt beide Seiten. Wie sich seine Kosten zusammensetzen, erklärt der Beitrag Notarkosten beim Hauskauf.
Die Auflassungsvormerkung schützt Ihre Raten
Beim Mietkauf zahlen Sie über Jahre Geld für ein Haus, das Ihnen noch nicht gehört. Was passiert, wenn der Verkäufer in dieser Zeit verkauft, Schulden macht oder insolvent wird, entscheidet ein Eintrag im Grundbuch: die Auflassungsvormerkung.
Nach § 883 BGB sichert die Vormerkung Ihren Anspruch auf das Eigentum, auch einen künftigen oder bedingten. Verfügungen des Verkäufers nach der Eintragung sind insoweit unwirksam, als sie diesen Anspruch vereiteln würden. Das gilt ausdrücklich auch für Zwangsvollstreckung und Insolvenzverwalter. Nach § 106 InsO kann der Berechtigte im Insolvenzfall die Übertragung trotzdem verlangen.
Zwei Punkte gehören zusätzlich in den Vertrag. Grundschulden, die schon vor der Vormerkung im Grundbuch stehen, gehen ihr im Rang vor. Der Notar sollte deshalb regeln, wie die Bank des Verkäufers sie bis zur Eigentumsübertragung freigibt. Und eine Vormerkung kostet Notar- und Grundbuchgebühren. Wer an dieser Stelle sparen will, spart am falschen Ende.
Beispielrechnung: Mietkauf und Bankdarlehen im Vergleich
Ob sich ein Mietkauf lohnt, zeigt erst der Vergleich mit einer Finanzierung über die Bank. Dafür nehmen wir an, dass Sie in beiden Fällen gleich viel pro Jahr zahlen und nach zehn Jahren schauen, wie viel vom Haus noch offen ist. Alle Werte stehen in Prozent des heutigen Werts der Immobilie, damit sie sich auf jede Preisklasse übertragen lassen.
| Mietkauf | Bankdarlehen | |
|---|---|---|
| Kaufpreis | 110 % | 100 % |
| Zahlung pro Jahr | 6,6 % | 6,6 % |
| Davon für den Kauf wirksam | 60 % der Zahlung angerechnet | Tilgung, anfangs rund 3,1 %, danach steigend |
| Gezahlt in zehn Jahren | 66 % | 66 % |
| Nach zehn Jahren noch offen | rund 70 % | rund 63 % |
| Eigentümer im Grundbuch | erst nach dem Restkaufpreis | ab Kauf |
Annahmen: Mietkauf mit Kaufpreis 10 Prozent über dem heutigen Wert, Monatszahlung 0,5 Prozent des Kaufpreises, davon 60 Prozent angerechnet. Bankdarlehen über 100 Prozent des heutigen Werts, angenommener Sollzins 3,5 Prozent, gleiche Jahreszahlung, monatliche Rate. Ohne Nebenkosten. Eigene Berechnung ME Finance, gerundet.
Bei gleicher Belastung sind nach zehn Jahren beim Mietkauf rund 70 Prozent des heutigen Werts offen, beim Bankdarlehen rund 63 Prozent. Der Unterschied entsteht an zwei Stellen: am Aufschlag auf den Kaufpreis und am Mietanteil, der nicht angerechnet wird. Wird weniger angerechnet, etwa die Hälfte der Zahlung, sind nach zehn Jahren sogar 77 Prozent offen. Selbst mit einem angenommenen Zins von 4 Prozent stünde das Bankdarlehen noch bei rund 68 Prozent.
Was die Tabelle nicht zeigt: Für das Bankdarlehen brauchen Sie die Kaufnebenkosten aus eigenen Mitteln und eine Bank, die finanziert. Genau daran scheitert es bei vielen, die einen Mietkauf suchen. Und am Ende der Mietphase steht der Restkaufpreis, den die meisten dann doch über eine Bank bezahlen. Mit Ihren eigenen Zahlen rechnet der Baufinanz-Rechner die Bankseite durch.
Grunderwerbsteuer und Nebenkosten fallen früher an, als viele denken
Beim Mietkauf gehen viele davon aus, dass Steuer und Notar erst beim endgültigen Kauf anfallen. Das stimmt nur für eine der beiden Grundformen. Nach § 1 Absatz 1 Nummer 1 GrEStG löst bereits der Kaufvertrag oder ein anderes Rechtsgeschäft, das den Anspruch auf Übereignung begründet, die Grunderwerbsteuer aus.
- Kauf mit Ratenzahlung: Der Anspruch entsteht mit dem Vertrag. Die Steuer wird zu Beginn fällig, auf den vollen Kaufpreis, obwohl Sie ihn über Jahre bezahlen.
- Ankaufsrecht: Die Steuer entsteht in der Regel erst, wenn Sie das Recht ausüben und damit der Kauf zustande kommt.
In Hessen beträgt die Grunderwerbsteuer sechs Prozent. Weil sie auf den vereinbarten Kaufpreis berechnet wird, zahlen Sie sie beim Mietkauf auch auf den Aufschlag, den der Verkäufer für die lange Laufzeit verlangt. Dazu kommen Notar- und Grundbuchkosten für Vertrag, Vormerkung und spätere Umschreibung. Welche Posten insgesamt anfallen, zeigen die Beiträge zu den Kaufnebenkosten und zur Grunderwerbsteuer in Hessen.
Die Risiken des Mietkaufs trägt vor allem der Käufer
Ein Mietkauf läuft über viele Jahre, und in dieser Zeit kann sich viel ändern. Die meisten Risiken liegen beim Käufer, weil er zahlt, bevor er Eigentümer ist. Vier Punkte sollten vor der Beurkundung geklärt sein:
- Zahlungsausfall. Kann der Käufer nicht mehr zahlen, darf der Verkäufer meist zurücktreten. Ob die angerechneten Beträge dann ganz, teilweise oder gar nicht zurückfließen, steht allein im Vertrag.
- Instandhaltung. Häufig übernimmt der Käufer schon in der Mietphase Reparaturen, obwohl ihm das Haus noch nicht gehört. Das sollte ausdrücklich geregelt und im Preis berücksichtigt sein.
- Fester Preis. Der Kaufpreis wird zu Beginn festgeschrieben. Sinkt der Marktwert in der Mietphase, zahlen Sie trotzdem den vereinbarten Preis.
- Restkaufpreis. Am Ende muss der offene Betrag bezahlt werden, meist über eine Bank. Die prüft dann Einkommen und Bonität wie bei jedem anderen Kauf. Wer heute keine Finanzierung bekommt, sollte wissen, warum, und ob sich das bis dahin ändert.
Ist der Verkäufer ein Unternehmer, etwa ein Bauträger oder eine Wohnungsgesellschaft, kann zusätzlich das Verbraucherkreditrecht greifen. Nach § 506 BGB gelten entgeltliche Finanzierungshilfen eines Unternehmers an Verbraucher, und bei Immobilien die Vorschriften für Immobiliar-Verbraucherdarlehen, entsprechend. Dazu gehören Informationspflichten und ein Widerrufsrecht. Ob ein konkreter Vertrag darunter fällt, klärt der Notar.
Für Verkäufer ist der Mietkauf ein Kredit an den Käufer
Auch aus Sicht des Verkäufers ist der Mietkauf eine Finanzierung. Er bekommt den Kaufpreis nicht auf einmal, sondern über Jahre, und trägt in dieser Zeit das Risiko, dass der Käufer ausfällt. Dafür verlangt er einen höheren Preis und behält den Mietanteil.
Gerade beim Mietkauf zwischen Privatpersonen, etwa unter Verwandten, wird dieses Risiko oft unterschätzt. Fällt der Käufer aus, ist eine Rückabwicklung mit Vormerkung im Grundbuch aufwendig. Bis dahin bleibt der Verkäufer Eigentümer, mit Grundsteuer, Versicherung und Haftung. Wer verkaufen will, ohne auf eine Bank angewiesen zu sein, sollte sich die gleiche Frage stellen wie eine Bank: Kann der Käufer das über die ganze Laufzeit tragen?
Oft ist eine Bankfinanzierung doch möglich
Die meisten suchen einen Mietkauf, weil sie glauben, keine Baufinanzierung zu bekommen: zu wenig Eigenkapital, eine Selbstständigkeit, eine frühere Absage. Bevor Sie sich über einen Mietkauf für viele Jahre binden, lohnt ein zweiter Blick auf diese Gründe.
- Wie viel Eigenkapital Banken tatsächlich erwarten und wann eine Finanzierung mit wenig Eigenkapital geht, erklärt der Beitrag Eigenkapital in der Baufinanzierung.
- Woran eine Absage meist liegt und was sich daran ändern lässt, steht im Beitrag Baufinanzierung abgelehnt.
- Für Selbstständige und Freiberufler gibt es Banken mit eigenen Regeln. Mehr dazu auf der Seite Finanzierung für Selbstständige.
Und wenn ein Mietkauf trotzdem der richtige Weg ist: Der Restkaufpreis am Ende ist eine ganz normale Baufinanzierung. Je früher sie mitgeplant wird, desto besser lassen sich Anrechnung, Laufzeit und Restkaufpreis darauf abstimmen.
Was Sie aus diesem Beitrag mitnehmen
- Beim Mietkauf wird ein Teil der Miete auf den Kaufpreis angerechnet. Eigentümer werden Sie erst mit dem Restkaufpreis.
- Der Vertrag muss notariell beurkundet werden. Ihre Raten schützt nur eine Auflassungsvormerkung im Grundbuch.
- Beim Kauf mit Ratenzahlung fällt die Grunderwerbsteuer zu Beginn an, auf den vollen Kaufpreis samt Aufschlag.
- Bei gleicher Belastung bleibt nach zehn Jahren mehr offen als beim Bankdarlehen. Der Verkäufer lässt sich die Finanzierung bezahlen.
- Den Restkaufpreis finanzieren die meisten über eine Bank. Oft geht das schon früher, als gedacht.
ME Finance ist kein Kreditinstitut und bietet keine Mietkaufverträge an. Wir vergleichen Angebote von über 500 Banken und Kreditinstituten und prüfen mit Ihnen, ob eine Finanzierung heute schon möglich ist oder wie sich der Restkaufpreis eines Mietkaufs später finanzieren lässt. Ihre Eckdaten nehmen wir über die unverbindliche Anfrage auf.
Häufige Fragen zum Mietkauf
- Was ist ein Mietkauf einfach erklärt?
- Beim Mietkauf wohnen Sie zunächst zur Miete in der Immobilie, die Sie später kaufen. Ein Teil jeder Monatszahlung wird auf den Kaufpreis angerechnet, der Rest ist Miete. Nach einer vereinbarten Zeit zahlen Sie den offenen Restkaufpreis und werden Eigentümer. Wirtschaftlich ist der Mietkauf eine Finanzierung durch den Verkäufer: Er wartet auf sein Geld und lässt sich das über Miete und Kaufpreis bezahlen.
- Wie funktioniert ein Mietkauf beim Haus?
- Käufer und Verkäufer schließen beim Notar einen Vertrag, der Miete, Anrechnung und Kaufpreis festlegt. Entweder wird der Kauf sofort vereinbart und in Raten bezahlt, oder der Käufer erhält ein Ankaufsrecht, das er bis zu einem Stichtag ausüben kann. Der Anspruch auf das Eigentum wird mit einer Auflassungsvormerkung im Grundbuch gesichert. Am Ende zahlt der Käufer den Restkaufpreis, meist über ein Bankdarlehen, und wird im Grundbuch eingetragen.
- Ist ein Mietkauf zwischen Privatpersonen möglich?
- Ja. Auch unter Privatleuten braucht der Vertrag aber die notarielle Beurkundung, weil er zur Übertragung eines Grundstücks verpflichtet (§ 311b BGB). Ein privat aufgesetzter Mietvertrag mit einer Kaufzusage ist als Kaufvereinbarung unwirksam. Für den Käufer gehört außerdem eine Auflassungsvormerkung ins Grundbuch, damit der Verkäufer das Haus nicht an jemand anderen verkaufen oder belasten kann.
- Lohnt sich ein Mietkauf?
- Für Käufer ist er meist teurer als eine Baufinanzierung, weil der Verkäufer die lange Wartezeit über einen höheren Kaufpreis und den Mietanteil bezahlt bekommt. In unserem Rechenbeispiel ist bei gleicher Monatsbelastung nach zehn Jahren beim Mietkauf mehr vom Kaufpreis offen als beim Bankdarlehen. Sinnvoll sein kann er, wenn eine Bank heute nicht finanziert, sich das aber in wenigen Jahren absehbar ändert, etwa nach der Probezeit oder dem Aufbau von Eigenkapital.
- Was passiert, wenn ich beim Mietkauf nicht mehr zahlen kann?
- Das regelt der Vertrag. Üblich ist ein Rücktrittsrecht des Verkäufers bei Zahlungsverzug. Ob und wie viel der bereits angerechneten Beträge Sie dann zurückbekommen, hängt von den Vereinbarungen ab und ist einer der wichtigsten Punkte, die Sie vor der Beurkundung prüfen sollten. Ist der Verkäufer ein Unternehmer, kann zusätzlich das Verbraucherkreditrecht greifen, das Kreditnehmer bei Zahlungsverzug schützt.
Ihr Erstgespräch, kostenfrei und unverbindlich.
30 bis 60 Minuten, in denen wir Ihre Situation hören, erste Fragen beantworten und transparent sagen, ob und wie wir helfen können. Kein Verkaufsgespräch. Kein Druck.
- I.Wir melden uns binnen eines Werktages telefonisch oder per E-Mail.
- II.Wir vereinbaren einen Termin, vor Ort, telefonisch oder per Video.
- III.Wir prüfen Ihre Lage und sagen Ihnen offen, wie wir Sie unterstützen können.
Anfrage starten
In wenigen Schritten zu Ihrer persönlichen Einschätzung. Antwort binnen 24 Stunden, streng vertraulich.
- Eckdaten zu Vorhaben und Eigenkapital
- Beruf und Haushaltsnettoeinkommen
- Wunsch-Berater oder offen
- Ihre Kontaktdaten
Dauer ca. 2 Minuten. Keine Bonitätsabfrage in diesem Schritt.
