Ratgeber · Immobilienbewertung
Immobilienbewertung.So ermittelt die Bank den Wert.
Welches Verfahren die Bank für welches Objekt einsetzt, welche Faktoren den Wert wirklich bestimmen und wie Sie die Bewertung vorbereiten.
Stand 28. August 2026 · Lesezeit ca. 10 Min. · Enrico Li Fonti

Symbolbild, mit KI erstellt. Es zeigt keine realen Personen, Objekte oder Ereignisse.
Wer eine Immobilie finanziert, geht oft davon aus, dass die Bank den vereinbarten Kaufpreis zugrunde legt. Das tut sie nicht. Die Bank ermittelt einen eigenen Wert, und der entscheidet mit darüber, wie viel sie finanziert und zu welchen Konditionen.
Die Bank rechnet nicht mit dem Kaufpreis
Beim Immobilienkauf treffen drei verschiedene Werte aufeinander, die oft verwechselt werden:
- Kaufpreis: was Käufer und Verkäufer vereinbaren. Er kann durch Wettbewerb, Zeitdruck oder Emotion über dem tatsächlichen Wert liegen.
- Marktwert (Verkehrswert): der Preis, der zum Bewertungsstichtag am Markt erzielbar wäre. Er ist im Baugesetzbuch definiert und die Grundlage jeder seriösen Wertermittlung.
- Beleihungswert: der Wert, den die Bank der Immobilie als Sicherheit beimisst. Bewusst vorsichtig angesetzt.
Für die Bank ist nicht entscheidend, was Sie zahlen, sondern was sie im Sicherungsfall langfristig wieder erlösen könnte. Genau deshalb rechnet sie mit dem Beleihungswert und nicht mit dem Kaufpreis.
Der Beleihungswert ist der vorsichtige Langfristwert
Aus dem ermittelten Wert leitet die Bank in einem zweiten Schritt den Beleihungswert ab. Das ist der Wert, den die Immobilie über die gesamte Laufzeit des Kredits voraussichtlich dauerhaft behält. Kurzfristige Übertreibungen am Markt lässt die Bank dabei außen vor, weshalb er in der Regel etwa 10 bis 20 Prozent unter dem Verkehrswert liegt.
Der Beleihungswert bestimmt anschließend, wie viel die Bank finanziert und zu welchem Zins. Wie dieser zweite Schritt funktioniert, was die Beleihungswertermittlungsverordnung vorgibt und wo die Zinsstufen liegen, steht ausführlich im Ratgeber Beleihungswert. Dieser Beitrag bleibt bei der Frage davor: wie der Wert überhaupt zustande kommt.
Vergleichswert, Sachwert und Ertragswert
Welches Verfahren die Bank anwendet, hängt vom Objekttyp ab, nicht von Ihrer Wahl. Es gibt drei anerkannte Ansätze:
- Vergleichswertverfahren: für Eigentumswohnungen und standardisierte Objekte. Grundlage sind tatsächlich erzielte Kaufpreise vergleichbarer Immobilien in der Umgebung.
- Sachwertverfahren: für selbst genutzte Ein- und Zweifamilienhäuser. Grundlage sind der Bodenwert, abgeleitet aus dem Bodenrichtwert, plus der Herstellungswert des Gebäudes abzüglich Alterung.
- Ertragswertverfahren: für vermietete und gewerbliche Objekte. Grundlage sind die nachhaltig erzielbaren Mieterträge. Für Kapitalanleger ist das der entscheidende Ansatz.
Bei vermieteten Objekten zählt also weniger die Ausstattung als die Miete, die sich dauerhaft erzielen lässt. Mehr dazu im Ratgeber Gewerbliche Immobilienfinanzierung.
Diese Faktoren bewegen den Wert am stärksten
Unabhängig vom Verfahren gibt es Merkmale, die den Wert einer Immobilie besonders prägen:
- Lage, sowohl die Region als auch die konkrete Nachbarschaft, Anbindung und das Umfeld
- Baujahr und baulicher Zustand
- Wohnfläche und Grundstücksgröße
- Qualität der Ausstattung und der Grundriss
- energetischer Zustand: Heizung, Dämmung und der Energieausweis
- Modernisierungen der letzten Jahre
Der energetische Zustand hat in den vergangenen Jahren deutlich an Gewicht gewonnen. Objekte mit hohem Sanierungsbedarf werden vorsichtiger bewertet, weil künftige Kosten den Wert belasten. Wer Modernisierungen belegen kann, gibt der Bank ein Argument, den Wert höher anzusetzen.
Bewertung im Rhein-Main-Gebiet
Der Wert einer Immobilie ist immer lokal. Grundlage für den Bodenwert ist der Bodenrichtwert, den die Gutachterausschüsse der Städte und Kreise regelmäßig veröffentlichen. In Hessen lässt er sich über das amtliche Portal BORIS-Hessen einsehen.
Zwischen Frankfurt, dem Hochtaunus und den Rändern des Rhein-Main-Gebiets liegen dabei große Unterschiede, oft schon von einem Stadtteil zum nächsten. Für die Bank heißt das: Zwei baugleiche Häuser können je nach Lage deutlich unterschiedlich bewertet werden. In gefragten Lagen wie Frankfurt oder am Taunusrand trägt der hohe Bodenwert die Bewertung, in ländlicheren Teilen zählt der Zustand des Gebäudes stärker. Wir kennen die regionalen Unterschiede und wissen, welche Bank welche Lagen wie einschätzt.
Diese Unterlagen braucht die Bank
Für die Bewertung stützt sich die Bank auf Unterlagen, die Sie als Käufer beibringen. Vollständig zusammengestellt sind das in der Regel:
- Grundbuchauszug
- Flurkarte oder Lageplan
- Baupläne und Grundrisse
- Wohnflächenberechnung
- Energieausweis
- aktuelle Fotos innen und außen
- bei Eigentumswohnungen: Teilungserklärung, Protokolle der Eigentümerversammlung, Wohngeldabrechnung
- bei vermieteten Objekten: aktuelle Mietaufstellung
Bei Standardobjekten reicht der Bank häufig eine Bewertung am Schreibtisch anhand dieser Unterlagen und eigener Marktdaten. Bei größeren Finanzierungen oder besonderen Objekten folgt eine Besichtigung oder ein externes Gutachten. Vollständige, saubere Unterlagen beschleunigen den Prozess und vermeiden Abschläge, die eine Bank aus Unsicherheit sonst vorsorglich ansetzt.
So machen Sie Ihr Objekt bewertungsfertig
Sie können die Bewertung nicht bestimmen, aber Sie können ihr eine gute Grundlage geben. Diese Punkte helfen:
- Unterlagen früh und vollständig sammeln, statt sie einzeln nachzureichen
- Modernisierungen der letzten Jahre mit Rechnungen belegen, besonders Heizung, Fenster, Dämmung und Bad
- den Energieausweis bereithalten und energetische Verbesserungen dokumentieren
- helle, aussagekräftige Fotos von innen und außen bereitstellen
- bei Eigentumswohnungen die Protokolle der Eigentümerversammlung auf beschlossene Sanierungen prüfen
- offensichtliche Mängel benennen, statt sie zu verschweigen, denn die Bank findet sie ohnehin
Je klarer das Bild, das die Bank bekommt, desto weniger vorsichtige Sicherheitsabschläge setzt sie an.
Wenn der Wert unter dem Kaufpreis liegt
Liegt der Beleihungswert unter dem Kaufpreis, entsteht eine Lücke, die Sie schließen müssen, denn die Bank richtet ihren Kredit am Beleihungswert aus. Drei Wege helfen weiter:
- mehr Eigenkapital einbringen, um den Beleihungsauslauf zu senken
- die Bewertung mit vollständigen Unterlagen und dem Nachweis von Modernisierungen untermauern
- eine andere Bank prüfen, denn Institute bewerten dasselbe Objekt unterschiedlich
Genau hier setzt unsere Arbeit an. Als freier Vermittler nach § 34i GewO vergleichen wir für Sie mehrere Banken und sehen, welche das Objekt realistisch bewertet. Das ist keine Garantie für einen höheren Wert, erhöht aber die Chance, eine Bank zu finden, deren Bewertung zu Ihrem Vorhaben passt. Mehr dazu auf der Seite Immobilienfinanzierung.
Häufig gefragt
Fragen, die vor jeder Finanzierung auftauchen.
- Wie ermittelt die Bank den Wert einer Immobilie?
- Die Bank nutzt eines von drei Verfahren, je nach Objektart. Für Eigentumswohnungen und Reihenhäuser das Vergleichswertverfahren, das tatsächliche Kaufpreise ähnlicher Objekte heranzieht. Für selbst genutzte Ein- und Zweifamilienhäuser das Sachwertverfahren aus Bodenwert und Herstellungskosten abzüglich Alterswertminderung. Für vermietete Objekte das Ertragswertverfahren, das die nachhaltig erzielbare Miete kapitalisiert. Bei standardisierten Objekten läuft die Bewertung oft rein anhand der Unterlagen, ohne Besichtigung.
- Was kostet die Immobilienbewertung durch die Bank?
- Bei standardisierten Objekten führen viele Banken die Bewertung intern und ohne gesonderte Kosten durch. Ist ein externes Gutachten oder eine Besichtigung nötig, kann ein Entgelt anfallen, das sich nach Objekt und Aufwand richtet. Vor der Beauftragung klären wir, welche Kosten realistisch zu erwarten sind.
- Welche Unterlagen braucht die Bank für die Bewertung?
- In der Regel Grundbuchauszug, Lageplan, Grundrisse, Wohnflächenberechnung, Energieausweis und aktuelle Fotos. Bei Eigentumswohnungen zusätzlich Teilungserklärung, Protokolle der Eigentümerversammlung und Wohngeldabrechnung, bei vermieteten Objekten die Mietaufstellung. Vollständige Unterlagen beschleunigen die Bewertung.
- Was passiert, wenn die Bank niedriger bewertet als der Kaufpreis?
- Dann entsteht eine Finanzierungslücke, weil die Bank ihren Kredit am Beleihungswert ausrichtet, nicht am Kaufpreis. Sie können mehr Eigenkapital einbringen, die Bewertung mit zusätzlichen Nachweisen untermauern oder eine Bank mit einer anderen Bewertung wählen. Ein Vergleich mehrerer Banken hilft, die passende zu finden.
- Was ist der Unterschied zwischen Verkehrswert und Beleihungswert?
- Der Verkehrswert ist der Preis, der zum Bewertungsstichtag am Markt erzielbar wäre. Der Beleihungswert ist der Wert, den die Bank für die gesamte Kreditlaufzeit als dauerhaft sicher ansieht, und liegt deshalb in der Regel darunter. Dieser Beitrag behandelt den ersten Schritt, also die Ermittlung des Werts. Was die Bank anschließend daraus macht, steht im Ratgeber zum Beleihungswert.
- Wie kann ich den Wert meiner Immobilie positiv beeinflussen?
- Den Wert legen Bank und Markt fest, aber Sie können die Bewertung gut vorbereiten. Belegen Sie Modernisierungen der letzten Jahre mit Rechnungen, halten Sie den Energieausweis bereit und stellen Sie vollständige Unterlagen sowie aussagekräftige Fotos zusammen. Je klarer das Bild, desto weniger vorsichtige Abschläge setzt die Bank an.
- Was ist der Bodenrichtwert?
- Der Bodenrichtwert ist ein amtlicher Durchschnittswert für den Boden je Quadratmeter in einer Lage. Die Gutachterausschüsse veröffentlichen ihn regelmäßig, in Hessen über das Portal BORIS-Hessen. Er ist die Grundlage für den Bodenwert und fließt vor allem in das Sach- und Ertragswertverfahren ein.
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